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Blödmann und NurBlond on Tour ...

... oder: Wir machen unseren Nicks alle Ehre.

Geschäftstermin in Köln, Wetterprognose: sonnig und warm: also dackeln wir mit unserem halb-fertigen Kasten nach Köln. 500 km Reise-Strecke; wir wollen ja erst einmal "klein" anfangen. Alles was Blödmann und NurBlond so brauchen wurde verstaut und so ging es am Donnerstag Nachmittag los.

Nach 200 gefahren Kilometern zitterte die Tanknadel der Null-Marke entgegen. Tanken hatten wir natürlich vergessen und mussten unserem Gefährt erst einmal feinsten Autobahn-Tankstellen-Diesel verpassen. Mondpreise! War ja klar: 1,35 € der Liter Diesel. Das war schon eine fette Ansage, aber handeln lies der gute Tankwart mit sich nicht. Gegen 18:30 Uhr waren wir dann in Köln.

Wir fanden nach kurzer Zeit ein Parkplatz direkt in der City,
10 Meter entfernt vom Rhein, direkt an der Promenade. Kostenlos!!!
Nun machten wir uns erst einmal in die Altstadt auf die Suche nach einem leckeren Lokal um nach dem Burger auf der Tanke etwas vernünftiges in den Magen zu bekommen.

Wir entschieden uns in einen chinesisches Restaurant einzukehren, da dort viele Asiaten saßen und wir uns dachten: das muss dann ja was Gutes sein. Allein die Speisekarte las sich wie ein Gourmet-Führer von Hannibal Lecter: gedünstete Frösche, gebratener Darm und knorpelige Hühnerfüße wurden hier angepriesen.
Wir fanden aber dann doch noch etwas für den europäischen Geschmacksnerv und spazierten später am Rheinufer wieder zum Camper und hauten uns in die Federn.

Am nächsten morgen fuhren wir zum nächsten Schwimmbad und machten uns "fit" für den Tag. Nach meinem 3-stündigen Meeting-Marathon hatten wir den Rest des Tages für uns und klapperten ein paar Shopping-Meilen ab.

Nun wollten wir aber erst einmal raus aus der Stadt, ins "Grüne". NurBlond, ich nenne sie ab hier nur noch liebevoll: "Navigator" (weibl.: Navigeuse???), führte mich per Google Maps an einen Talsperre.
Der Weg dorthin machte mich schon etwas stutzig. Die Schilder "Anlieger Frei" ignorierten wir mit dem Argument: wir haben ein Anliegen! Die "Strasse" war zwar betoniert, aber halt einspurig. Rechts und links nur Wiesen, die, je weiter wir dem Pfad folgten, immer feuchter wurden.

An einer Gabelung kamen uns Spaziergänger entgegen und so bogen wir "großmütig" ab, verließen den "rechten Weg" und tuckerten weiter, Richtung Talsperre. Nach ca. einem Kilometer endete der betonierte Weg und wir kamen an einer Schranke zum stehen. Von der Talsperre war noch nichts zu sehen und so entschieden wir uns wieder zu wenden. Ich stieg extra aus, um mich davon zu Überzeugen, das ich auf der angrenzenden Weide wenden kann. Ich sprang ein bisschen auf der Wiede herum und der Unterboden schien mir fest genug zu sein. Nun wurde von mir ein gekonntes Wendemanöver eingeleitet, welches mit den Hinterrädern auf der Weide ein jähes Ende nahm. Es gab weder ein Vor noch ein Zurück. Jeder Versuch unseren Standort zu verlassen endete bedrohlich nahe an einem Entwässungsgraben.
Und nun? 2 Kilometer von nächsten Ort entfernt? Keine Menschenseele weit und breit zu sehen. Ich mutierte zu einem Häufchen Elend. Es war dunkel, es war kalt und mein Navigator machte mir Vorwürfe, warum ich an der Weggabelung abgebogen bin und nicht Ihren Anweisungen folge leistete.

Nun standen wir wir dumm auf der Wiese herum und ich musste erst einmal nachdenken .... vielleicht war das "nachdenken" auch nur eine Art von Kapitulation. Nach einer kurzen Weile kam aus der Dunkelheit ein Licht auf uns zu. Das Licht am Ende des Tunnels?
Es war ein Jogger, der in der Dunkelheit seine Ausdauer trainierte, den ich beherzt mit den Worten "Sie wollen gar nicht wissen, warum wir hier stehen" ansprach. Wir schildertem ihm kurz den Sachverhalt, den er wohl auch von selbst erkannte. Ein super-netter Typ, der dann auch gleich kehrt machte, um uns Hilfe aus dem Dorf zu holen. Nach einer gefühlten Stunde, wir dachten schon, das der gut Mann uns "vergessen" hatte, kam das Lich wieder auf uns zu.
"Leider haben die Bauern in unserem Dorf keine Landmaschinen mehr" sagte er und gab uns eine Telefonnummer von einem Abschlepp-Dienst und die Bezeichnung von dem Ort, an dem wir uns befanden. Er wünschte uns viel Erfolg und joggte davon.

"Das wird teuer", war mein erster Gedanke und auch der erste Satz von meinem Navigator. Sätze wie "Davon hätte ich mir total tolle Schuhe kaufen können" waren auch nicht das, was ich in dieser Sekunde hören wollte. Okay, irgendwie müssen wir ja hier weg und so biss ich in den sauren Apfel und rief bei dem Abschleppdienst an. Eines der ersten Worte die ich aus dem Telefon vernahm, war: "136 Euro Netto die Stunde". Ich hätte im Strahl kotzen können, aber mir blieb ja nichts übrig und so orderte ich den Abschlepper. Der kam dann auch ein Stunde später und schaute sich erst einmal die Situation an und fragte mich nach dem zulässigem Gesamtgewicht. "3,5 Tonnen" sagte ich, "wir sind quasi leer". "Okay" erwiderte der junge Mann, "100% Gewichtszuschlag".
Irgendwie traute ich meinen Ohren nicht und mein Navigator interpretierte: "in diesem Monat gibt es keine neuen Schuhe, daß geht gar nicht", und fing gleich an zu feilschen. Meine Sinne funktionierten nur noch wie ferngelenkt, so daß ich gar nicht mehr mitbekam, was sie dem Herren für Klagelieder anstimmte aber schlussendlich lies er sich auf 200 Euro pauschal herunterhandeln.
Mir alles egal, ich will hier nur weg! So nahm er uns an die "lange Leine" und zog uns aufs dem Matsch. Die ganze Aktion dauerte ca. 3 Minuten. Nachdem er mein EC-Karte durch den Automaten gezogen hatte und mit einem zufriedenen Gesicht in der Dunkelheit verschwand, setze bei mir eine Mischung aus Neid und Verachtung ein.

Ich mache den falschen Job. 

So ... Abenteuer bestanden, die schlechten Gedanken über Bord werden ... nun erst einmal den Ort der Schande und Schmach verlassen und irgendwo einkehren. Nach Pommes rot/weiß stand mir nach dieser Rechnung der Sinn. Mein Navigator quängelte aber nach "vernünfiger" Nahrung und so kehrten wir in einen besseren American-Diner ein. Okay, da gibt's auch Pommes Schranke .... oder wie man in Fachkreisen sagt: French Fries .... dadurch kann man natürlich auch begründet 2 Euro pro Portion mehr nehmen.
Irgendwie wurde ich das Gefühl nicht los, dass mich hier alle abziehen wollten. Egal, wir waren satt und müde und suchten uns ein "lauschiges" Plätzchen zum Übernachten. Irgendwo, zwischen Feldern und Wiesen, aber diesmal mit festen Untergrund zum Wenden, schlugen wir unser Lager auf und versuchten den Tag aus unserem Gedächtnis zu streichen.

Am nächsten Morgen ... herrlichster Sonnenschein ... Kaiserwetter! So fangen die besten Tage an ... Seitentür auf, Kaffee und Kippe in den Schlund .... unser Leben ist das Beste! Wir standen, das konnte ich in der Nacht zuvor nicht mehr erkennen, zwischen saftig-grünen Feldern aber auf festem Untergrund ... alles war perfekt. Ab und an kamen Hundebesitzer an uns vorbei, die wir auch immer nett begrüssten. Sie sollten an unserem Glück teil haben! Diese raunten uns aber nur ein unfreundliches "Naturschutzgebiet" entgegen und zottelten mit Ihren Vierbeinern weiter. Äh, ja ... neee ... Scheisse! Ein NATURSCHUTZGEBIET !?! ... davon hatte ich gestern Nacht nichts gesehen. Mein Navigator wurde auch gleich hektisch und trieb zur Eile. Ich bin dann doch der etwas cooler: "Ich trink erst einmal meinen Kaffee aus ... ob wir nun 5 Minuten mehr order weniger stehen ... ".
Nur Sekunden später stellte sich auch meine Idee als suboptimal heraus. Aus der Ferne sahen wir eine Kolonne von Polizei, THW und DLRG anrücken. Und wenn ich Kolonne schreibe, dann ist das nicht übertrieben.
Hunderte Fahrzeuge mit Hängern und einer Ausrüstung, als befindet sich Deutschland im Katastrophenzustand, machten sich auf den schmalen Wegen des Naturschutzgebietes breit und fingen an ihr Material auf den Wiesen zu verbreiten. Und alles wegen einem Wildcamper?? Die Spinnen, die Römer!! Der Navigator bekam schon hektische Flecken und mir war auch nicht besonders wohl zumute, als drei Polizisten auf uns zu eilten. Mecker ... Bussgeld ... Knast ... ich rechnete mit allem.
Bevor die Uniformierten uns erreichten, sassen wir schon im Wagen und rollten langsam auf die Polizisten zu. "Zumindest ein bisschen goodwill zeigen" dachte ich "um die Herren milde zustimmen." Mir war jedoch nicht ganz klar, wie ich den "verbotenen Ort" verlassen sollte ... jeder Weg war mit Einsatzfahrzeugen verstopft!? Also ließ ich das Fenster runter und schmetterte den Herren ein "Schönen Guten Morgen!" entgegen. Einer der Schutzmacht erwiderte nur: "Sie müssen das Gelände verlassen, hier findet eine Katastrophenübung mit 4000 Mann statt."

"IN EINEM NATURSCHUTZGEBIET?" dachte ich nur und bezeugte meine Bereitschaft seiner Anweisung sofort Folge zu leisten. Dies allein erwies sich aber schon als Katastrophenübung: alle eingetroffen Fahrzeuge mussten hin und her rangieren, damit wir beiden Profi-Camper mit unserem Gefährt den Ort der Katastrophe verlassen konnten.
Eine gefühlte Ewigkeit später waren wir wieder auf der Strasse in Richtung Drachenfelsen. Und man mag es gar nicht glauben, aber mein Navigator und ich sind dann doch irgendwann heil zuhause angekommen.

Einziges Manko: wir konnten uns im eigenen Heim nicht frei bewegen, weil die Tochter für Ihren 17. Geburtstag das gesamte Grundstück zur Partymeile erklärt hat.

Egal ... es gibt Aufregenderes !!

Cheers
Sven

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